Die Blechtrommel – Director’s cut

Die Blechtrommel – Director’s cut

27.11.2010 Rückblende

Danzig 1927: Im Alter von drei Jahren beschließt Oskar Matzerath nicht mehr zu wachsen. „Ich wollte von jetzt an für immer der Dreijährige, der Gnom bleiben“. Seinem Protest gegen die Welt der Erwachsenen verleiht er mit Blechtrommel und schriller Stimme lautstark Ausdruck. Seine Stimmkraft lässt Saalfenster bersten, sein Trommelschlag stört eine Massenversammlung der Nationalsozialisten. Nach dem frühen Tod seiner Mutter reist Oskar mit einem Fronttheater nach Frankreich und verliebt sich in die Liliputanerin Roswitha, aber auch mit ihr findet er kein Glück: bei einem Granatenanschlag kommt sie ums Leben. Am Ende seiner Odyssee durch das vom 2. Weltkrieg gezeichnete Europa beschließt Oskar wieder zu wachsen.

Schlöndorffs Verfilmung des Romans von Günter Grass war sein international größter Erfolg. Mit „souveräner Leichtigkeit“ (Thomas Koebner) inszenierte er Grass‘ grotesken Schelmenroman als effektvoll kuriosen Bilderbogen. Eindrucksvoll bleibt die Darstellung Oskars durch den damals zwölfjährigen David Bennent. Beim diesjährigen Internationalen Filmfestival von Cannes wurde eine 25 Minuten längere, restaurierte, neu geschnittene Fassung welturaufgeführt: der Director´s Cut. Anlass war die Anfrage des Kopierwerks, ob die originalen Kameranegative vernichtet werden könnten. Das weckte bei Schlöndorff die Erinnerung, dass der Verleih United Artists seinerzeit kategorisch auf maximal 135 Minuten bestanden hatte. Jetzt bot sich die Möglichkeit, den Film so zu korrigieren, wie er früher einmal gedacht worden war. Insbesondere Mario Adorf hatte sich vor 30 Jahren bei Schlöndorff beklagt, dass die Kürzungen seine Rolle beschädigt hätten.

Volker Schlöndorff war der erste Regisseur, dem die Rückblende eine Reihe widmete (2004). Mario Adorf war der erste Schauspieler im Rahmen einer FILMZ-Rückblende (2009).

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