Renommiertes Festival des deutschen Kinos erhÀlt bis 2013 eine neue Struktur
Elf Jahre lang ist FILMZ, das Festival des deutschen Kinos in Mainz, gewachsen, gröĂer, facettenreicher und populĂ€rer geworden. Das enorme Publikumsinteresse hat die Strukturen des Festivals, das ĂŒberwiegend ehrenamtlich organisiert wird, inzwischen jedoch ĂŒberlastet. Deshalb hat sich der Verein Brainstream e. V. als Ausrichter entschlossen, dem Festival im Jahr 2012 eine Pause zu gönnen. Mit einer neuen Organisationsform und einem modifizierten Konzept soll FILMZ dann im November 2013 auf die Mainzer KinoleinwĂ€nde zurĂŒckkehren.
âFILMZ hat sich beim Publikum und in der Filmbranche im Laufe der Jahre einen festen Platz erarbeitet und ist ein wichtiger Teil des Mainzer Kulturlebens geworden. Die neue GröĂe des Festivals kann aber in der bisherigen Organisationsform nicht mehr gestemmt werdenâ, erklĂ€rt Kulturdezernentin Marianne Grosse. Man werde das Jahr nun nutzen, um gemeinsam mit Brainstream e. V. Strukturmodelle zu entwickeln und die ehrenamtlichen Helfer damit zu entlasten. âIch konnte mich rund um das Festival davon ĂŒberzeugen, dass die Organisation fĂŒr viele der Studierenden ein Vollzeitjob geworden ist. Das lĂ€sst sich mit den neuen StudiengĂ€ngen zeitlich kaum mehr vereinbaren.â Die Kulturdezernentin sagte zu, dass die Stadt dem Verein bestmögliche Hilfe leisten werde und auch kĂŒnftig als Veranstalter und mit den bisherigen ProjektzuschĂŒssen zur VerfĂŒgung steht.
âUnsere Entscheidung schmerzt uns wirklich sehr, aber sie war fĂŒr uns leider ohne Alternativeâ, sagte Jonas Vomstein vom Brainstream-Vorstand. âDas Gewinnen von neuen Mitgliedern ist die gröĂte Herausforderung fĂŒr die Zukunft des Festivals. Durch das neue Studiensystem wird es zunehmend schwieriger, Mitstreiter fĂŒr eine kontinuierliche ehrenamtliche Vereinsarbeit zu gewinnen. Und fĂŒr eine hauptamtliche Organisation fehlt unter den bisherigen strukturellen Bedingungen der finanzielle Spielraum.â Eine vereinsinterne Restrukturierung in Kooperation mit dem Kulturdezernat sei deshalb unumgĂ€nglich. âWir werden die gewonnene Zeit gut nutzen, um das Festival auf eine neue Basis zu stellenâ, so Jonas Vomstein.
âFILMZ â Festival des deutschen Kinosâ erlebte im Jahr 2011 seine elfte Ausgabe. Mit jĂ€hrlich mehr als 5.000 Zuschauern ist FILMZ eines der gröĂten Festivals, das sich ausschlieĂlich dem deutschsprachigen Film widmet. Das Alleinstellungsmerkmal des Festivals ist die Einbindung des Publikums, das den Filmschaffenden hautnah begegnen kann und auch ĂŒber die Preisvergaben abstimmt. Seit seinem GrĂŒndungsjahr lebt es vom ehrenamtlichen Engagement der Mitglieder des Vereins Brainstream e. V., die neben Studium und Nebenjob dieses Festival ausrichten. Veranstalterin ist die Landeshauptstadt Mainz, die den Verein bei Organisation und Finanzierung unterstĂŒtzt.

och nö!, was soll ioch denn jetzt im November machen? I need FILMZ!
Sehr geehrte Damen und Herren,
darf ich bitte auf einen Aspekt hinweisen, der in Ihrer Pressemitteilung aus meiner Sicht unrichtig dargestellt wird. Es ist fĂŒr mich als dem Leiter der Abteilung Studium und Lehre der UniversitĂ€t Mainz nicht nachvollziehbar, inwiefern die “neuen StudiengĂ€nge” ursĂ€chlich dafĂŒr verantwortlich sind, dass das FILMZ-Festival in diesem Jahr nicht durchgefĂŒhrt werden kann. Wie zahlreiche Untersuchungen unterschiedlichster Institutionen (z.B. HIS GmbH)aufgezeigt haben, ist der Zeitaufwand der Studierenden fĂŒr ihr Studium in den “neuen StudiengĂ€ngen” (Bachelor und Master) nicht oder nur unwesentlich höher als in den “alten StudiengĂ€ngen” (Magister, Diplom). Das kann es also nicht sein.
Könnte es unter UmstĂ€nden doch daran liegen, dass der Zeitaufwand fĂŒr die Organisation des Festivals inzwischen das fĂŒr ehrenamtliche Mitarbeiter/innen zutrĂ€gliche MaĂ ĂŒberschritten hat? Die Kulturdezernentin spricht ja selbst von einem “Vollzeitjob”. FĂŒr eine solche Entwicklung sollte dann aber nicht die neue Studienstruktur verantwortlich gemacht werden. Es mag zwar angenehm sein, die Ursache fĂŒr eine strukturelles Problem auf Dritte zu schieben, seriös und hilfreich ist das aber trotzdem nicht.
Mit freundlichem GruĂ
Dr. Bernhard Einig
Leiter der Abteilung Studium und Lehre
Johannes Gutenberg-UniversitÀt Mainz
Sehr geehrter Herr Einig,
Sie sollten ebenfalls auf einen Aspekt hingewiesen werden. Ungeachtet der “zahlreichen Untersuchungen unterschiedlichster Institutionen” ist der Zeitaufwand eines Bachlor/Master-Studiums sehr wohl um ein Vielfaches höher als es in dem zuvor sehr viel freier einteilbaren Diplom/Magister-Studium der Fall war. Ich kann es beurteilen, da ich beide Studienformen erfahren konnte. Das kann es also sehr wohl doch sein.
FĂŒr mich klingt Ihre Darstellung eher nach einer Rechtfertigung, bei der Sie sich auf Dritte stĂŒtzen und weniger aus eigener Erfahrung sprechen.
Und vielleicht sollten gerade Sie als Leiter der Abteilung fĂŒr Studium und Lehre die Studienform Bachlor/Master auch mal kritisch hinterfragen. Das Studium in Deutschland hat durch die Umstellung entscheidend an QualitĂ€t eingebĂŒĂt, aber das ist ein anderes Thema.
(kleine Anmerkung zu der technisch-medialen Entwicklung: E-Klausuren sind zum totlachen. Das kann doch unmöglich ernst gemeint sein.)
Beste GrĂŒĂe
O.